
Regelmäßig begeben wir uns im Redaktionsteam auf die Suche nach unterstützenden Tipps für dich.
Beim Stöbern nach interessanten Infos für dich als Hebamme, sind wir über das Interview mit Hebamme Erzsébet Reisinger zum Thema „Homöopathie als Hebamme“ gestolpert. Das Interview fand zwischen der Lehrhebamme Erzsébet Reisinger und der DHU statt.
Kurz vorgestellt: Hebamme Erzsébet Reisinger
- frei praktizierende Hebamme und Heilpraktikerin in München
- 11 Jahre Tätigkeit als Hebamme an der LM-Universität I. Frauenklinik in München
- davon 10 Jahre als Lehrhebamme
- dreijährige Vollzeitausbildung zur Heilpraktikerin
- medizinisch geprüfte Ernährungsberaterin
- geprüfte Präventologin

Das Interview mit Hebamme Erzsébet Reisinger zum Thema Homöopathie
Wie viele homöopathische Mittel haben Sie in Ihrem Hebammenkoffer denn dabei?
Meist so um die zwanzig unterschiedliche homöopathische Mittel.
Können Sie uns ein paar Beispiele nennen, bei welchen Beschwerden Sie die Homöopathie empfehlen?
Bei den Müttern können das z. B. mangelnde Milchbildung, aber auch Milchstau, nervöse Beschwerden, wunde Brustwarzen oder Rückbildungsstörungen sein. Aber auch bei Zahnungsbeschwerden, einem wunden Po oder Unruhe beim Baby können die passenden homöopathischen Mittel unterstützen. Auch wenn z. B. ein Geschwisterkind eifersüchtig auf das Neugeborene reagiert, kann Homöopathie Einsatz finden.
Wann raten Sie der Mutter, lieber sofort einen Arzt aufzusuchen?
Wird z. B. ein Milchstau nach 24 bis 48 Stunden nicht besser, kann es zu anhaltendem Fieber, Schmerzen und einer Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens kommen. Akute Bauch- oder Kreislaufbeschwerden oder starke Blutungen sollten unbedingt immer von einem Arzt abgeklärt werden.
Nehmen Frauen die Homöopathie gerne an oder gibt es da Bedenken?
Ich mache überwiegend gute Erfahrungen und stoße auf ein großes Interesse. Selbst Ärzte sind immer offener dafür, es auch mal mit der sanften Homöopathie zu versuchen. Ich bin sehr froh, dass Homöopathie und Schulmedizin sehr gut Hand in Hand arbeiten können. Natürlich wirkt nicht jedes Mittel bei jeder Frau gleich gut. Es ist wichtig, das individuell passende Mittel zu finden, da ist eine gewisse Selbstbeobachtungsgabe und Achtsamkeit gefragt. Aber das üben junge Mütter nach der Geburt ja sowieso intensiv durch die feine Aufmerksamkeit für ihr Baby. Meist können sie mir als Hebamme ihre Beschwerden oder die des Babys detailliert beschreiben und das macht es mir leicht, das passende Mittel zu finden.
Sind Blähungen ein großes Thema in der Praxis und was ist die Ursache?
Gerade in den ersten Lebensmonaten leiden viele Babys unter Blähungen. Der Blähbauch entsteht, weil sich zu viel Luft im Darm befindet. Ein Grund kann die noch nicht vollständig ausgebildete Darmflora sein, oder das Baby hat zu viel Luft beim Trinken geschluckt. Erkennungszeichen sind angezogene Beinchen und eine gekrümmte Haltung. Auch das Bäuchlein ist oft aufgebläht und hart. Außerdem können Blähungen von Appetitlosigkeit, Durchfall, Verstopfung und viel Spucken (Erbrechen) begleitet werden. Wenn die Verdauungsprobleme länger anhalten, sollte auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden.
Haben Sie Tipps zur Vorbeugung von Blähungen?
Blähungen kann am besten vorbeugt werden, wenn gar keine zusätzliche Luft in das Babybäuchlein gelangt. Deshalb das Fläschchen nach der Zubereitung kurz stehen lassen, damit sich gebildeter Schaum auflösen kann. Achten Sie darauf, dass Ihr Baby beim Trinken die Brustwarze (Mamille) oder den Milchsauger gut mit dem Mund umschließt. Der Milchsauger sollte außerdem die richtige Größe haben. Bevor ihn das Baby in den Mund nimmt, sollte in der Spitze immer Milch sein und keine Luft. Probieren Sie auch verschiedene Positionen aus. Manche Babys schlucken weniger Luft, wenn sie beim Trinken aufrecht sitzen.
Haben Sie noch einige praktische Tipps für stillende Mütter?
Wärmen Sie Ihre Brust vor dem Stillen mit einem warmen Brustumschlag an. Machen Sie eine sanfte Brustmassage und streichen Sie dabei etwas Milch aus. Diese können Sie hervorragend zur Babypflege nutzen, um z. B. trockene Säuglingshaut oder den empfindlichen Nabel und Po zu pflegen.
Legen Sie das Baby erst auf einer Seite an. Wenn es nach ca. 10 bis 15 Minuten schläfrig wird, nutzen Sie diese Schläfrigkeit, um es zu wickeln und so sanft zu wecken, bevor Sie es dann an der anderen Brust erneut anlegen. Beim nächsten Stillen mit der anderen Brust beginnen.
Nach dem Stillen die Brüste mit einem kühlen Umschlag beruhigen. Und auch selbst ruhen, denn Stillen ist anstrengend.
Abpumpen ist eine gute Sache, um den Milcheinschuss zu fördern. Ich komme aus Ungarn und bei Ungarinnen ist es Tradition, täglich einmal pro Tag Milch abzupumpen. Mit der so gewonnenen Milch können auch die Väter dann in den Stillprozess mit einbezogen werden, ihr Kind mal füttern und die Mutter entlasten.
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